Der FC 03

Am 1. Mai 1903 trafen sich elf junge Männer, die an diesem Tag den Fußballklub Egelsbach 1903 gründeten. Es fehlte es so ziemlich an allem, was zur „Kickerei" nötig war. Außer der Idee und nur ganz bescheidenen Regeln gab es nichts, woran man sich halten konnte. Wer wußte schon etwas von Technik und Taktik, wo hatte man je etwas von Freilaufen und Abdecken gehört, man tat mit dem Ball, was einem gerade in den Sinn kam, d.h. losrennen, bis man das runde Leder, das oft gar nicht so rund war, abgenommen bekam, und manchmal gelang sogar ein Tor.

Noch größere Schwierigkeiten gab es mit dem Spielplatz. Musste man am Anfang noch in der Kastanienallee nach Schloß Wolfsgarten unter primitivsten Verhältnissen spielen, so wurde der Spielbetrieb später auf die benachbarte „Gänsewiese" verlegt. Wer jedoch annimmt, dass es sich dabei um einen Fußballplatz heutiger Prägung handelt, der liegt völlig falsch. Nicht nur, dass die Planierung von den Fußballerbeinen übernommen wurde, es mussten zudem vor dem Spiel die Torstangen aufgebaut werden. Die Anfänge des Egelsbacher Fußballs waren also sehr bescheiden. Bei dem ersten größeren Gegner, nämlich dem Frankfurter FC 02, gab es mit zwei Niederlagen von 20:0 und 12:1 gehörige Dämpfer.

Im Jahre 1906 traten die Egelsbacher Fußballer in den „Verband Deutscher Fußballvereine" ein. Doch außer einem gut klingenden Namen hatte dieser Verband, der im übrigen nur im Frankfurter Raum verbreitet war, nicht allzuviel zu bieten, und es war kein Wunder, daß es bereits 1908 zu einer Auflösung kam. Für den Fußballklub 03 hatte dies zur Folge, dass man sich dem wirklichen Vertreter des Fußballsportes anschloss, dem „Süddeutschen Fußballverband". Der Erfolg blieb nicht aus. In den Jahren 1910-1913 erreichte die Aufwärtsentwicklung mit der Meisterschaft in der Klasse B und dem damit verbundenen Aufstieg in die zweite Fußballklasse ihren Höhepunkt.

Das größte Ereignis in dieser Zeit war jedoch die Einweihung des umzäunten Sportplatzes auf den Brühlwiesen im Jahre 1913, der lange Jahre Domizil des Egelsbacher Fußballs sein sollte. Gute Fußballer gab es in jener Zeit viele in Egelsbach. Der Krieg unterbrach so manche hoffnungsvolle Karriere. Der Spielbetrieb wurde eingestellt, und als man nach Kriegsende Bilanz bei den Fußballern zog, war so mancher, von dem man noch so viel erwartet hatte, nicht mehr zurückgekehrt. Trotzdem wurde diese Nachkriegszeit die bewegteste in der Egelsbacher Fußballgeschichte.

Nicht nur, dass der „FC 03" bald mit vier aktiven Mannschaften aufwarten konnte und eine gezielte Jugendarbeit betrieb, es gab zudem einen zweiten Fußball spielenden Verein den Turnverein 1874. Der Club spielte in jener Zeit in der 1. Klasse des Rheinbezirks und wurde mit weiten Reisen bis nach Wiesbaden, Mainz oder gar Kreuznach belastet, was nicht gerade der Spielstärke zuträglich war. Mit der Machtübernahme 1933 fanden die heimatlos gewordenen Fußballer des Turnvereins jetzt beim „FC 03" ein neues Betätigungsfeld. Mit dieser Zentralisierung begann die eigentliche Blüte der Fußball spielenden Vereinigung. Diktatorisch in die dritte Spielklasse versetzt, obwohl schlechter plazierte Mannschaften in der zweiten Klasse verbleiben durften, zeigt einmal mehr, dass politische Motive oft über den Sport triumphieren.

Die Mannschaft des „FC 03" gab darauf die einzig richtige Antwort. In einem wahren Triumphzug wurde die Meisterschaft der dritten Klasse mit einem Punktverhältnis von 47:1 und dem Torverhältnis von 142:24 geholt. Die Reservemannschaft war ähnlich erfolgreich und wurde ebenfalls souveräner Meister. Die zweite Klasse, als äußerst spielstark bekannt, bremste diesen Aufwärtstrend keineswegs, und erst im allerletzten Meisterschaftsspiel wurde die Meisterschaftsfrage zuungunsten der Egelsbacher entschieden. Mit einem Rückstand von einem Punkt wurde man Zweiter in der Schlußtabelle.

Noch erfolgreicher war die Elf im Pokal. Nachdem man Gegner aus der 3. und 2. Klasse ausgeschaltet hatte, traf man auf den Gauligavertreter Kickers Offenbach. 4000 Zuschauer wurden Zeugen einer Egelsbacher Mannschaft, die über sich selbst hinauswuchs. Die Kickers wurden mit einer 3:2-Niederlage nach Hause geschickt. Die Offenbacher suchten auf dem damals schon gefürchteten Bieberer Berg Revanche, und wieder triumphierten die Egelsbacher mit 2:1. Endstation im Pokalwettbewerb war in der 7. Runde bei der im ganzen süddeutschen Raum gefürchteten Wormatia aus Worms, wo man mit mehrfachem Ersatz antreten musste und unterlag.

Im folgenden Jahr erfolgte erneut ein Höhepunkt im Pokalwettbewerb. Diesmal war es die Frankfurter Eintracht, die in Egelsbach antreten musste. Gewarnt durch die aufsehenerregenden Erfolge des FC 03 erschien der Frankfurter Großverein mit seiner gesamten Spielerprominenz und konnte, nachdem es lange Zeit nach einem 1:1-Unentschieden ausgesehen hatte, die Egelsbacher schließlich doch noch mit 2:1 aus der Pokalrunde werfen.

Vier Jahre blieb die Mannschaft absolute Spitze, und erst 1937 erfolgte ein gewisser Rückgang, obwohl immer noch ein Mittelplatz in der 2. Klasse errungen wurde. Die Mannschaft begeisterte mit ihrem hervorragenden Spiel die Zuschauer und Fußball-Egelsbach wurde weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus bekannt. Alle Spieler blieben ihrer Heimatgemeinde treu, obwohl manch verlockendes Angebot von den großen Frankfurter und Offenbacher Vereinen auf sie zukam.

Stagnation, mitunter Resignation kennzeichneten die Kriegsjahre. Wurde am Anfang noch in einer Kriegsrunde gespielt und zeitweise mit den Nachbarn Langen und Erzhausen wegen Spielermangels eine Mannschaft gebildet, um den Spielverkehr überhaupt aufrecht zu erhalten, so kam der Spielbetrieb, je länger die Jahre des Wahnsinns dauerten, immer mehr zum Erliegen, bis schließlich keine Möglichkeit mehr war, dem geliebten Fußballsport zu frönen. Lediglich Jugendund Schülermannschaften konnten dem runden Leder noch nachjagen, und jetzt zeigte sich, wie wertvoll die Jugendarbeit war.

Mit dem Zusammenschluß der sporttreibenden Vereine zur Sportgemeinschaft Egelsbach wurde der FC 03 Egelsbach eine Abteilung in der SG Egelsbach.

Der Arbeiter-Radfahrverein „Solidarität"

Als dritter Traditionsverein, aus dem nach dem 2. Weltkrieg die Sportgemeinschaft hervorging, ist der Arbeiter-Radfahrverein Solidarität zu nennen, der im Jahre 1905 gegründet wurde.

Acht Egelsbacher Männer trafen sich in der Gastwirtschaft Sommer in der Rheinstraße 60 mit der Absicht, einen Rad- bzw. Kunstradfahrverein zu gründen. Bereits im Jahre 1912 zählte der Verein 50 aktive Mitglieder, als das Fest der Fahnenweihe begangen wurde. 25 weißgekleidete Festdamen führten die Übergabezeremonie durch. Sie überreichten den ebenfalls einheitlich gekleideten Radsportlern auf den Brühlwiesen feierlich die Fahne. Hinter diesem Vereinsbanner fuhren die Aktiven des Vereins in den folgenden Jahren zu vielen Veranstaltungen der näheren und weiteren Umgebung. So wird berichtet, dass die Egelsbacher Radsportler bei einem Festzug in Dieburg mit 60 Fahrern teilnahmen, wo sie wegen ihrer einheitlichen Kleidung, weiße hochgeschlossene Trikots mit roten Schärpen am Bund der dreiviertellangen, heute noch üblichen Radfahrerhose und Schirmmützen, ein enormes Aufsehen erregten.

Kunstradfahrer der SGE; sitzend: H. Stornfels, K.-H. Gärtner, links: K.Sittmann, oben: R. KaiserWegen Fehlens von Saalmaschinen beschränkte man sich hauptsächlich auf Tagestouren, Stern- bzw. Nachtfahrten, also eine mehr oder weniger sportliche Trimm-Dich-Bewegung. Als die ersten Saalmaschinen und später auch eine Kunstfahrmaschine angeschafft wurden, demonstrierte man bald auf verschiedensten Veranstaltungen sein können. Stolz war man über einige Attraktionen im Repertoire der Radsportler, wie z.B. das von zwei Fahrern auf den Schultern getragene Reck, auf dem ein Turner Übungen demonstrierte.

Bei einem Besuch in Heidelberg wurden einige Egelsbacher von den sonderbaren Klängen des dortigenSchalmeien-Orchesters animiert, so dass man beschloß, in Egelsbach ein ebensolches Orchester aufzubauen. Etwa 10 Spieler waren es, die dann in der folgenden Zeit unter dem Kapellmeister Heinrich Gaubatz das Schalmeien-Spiel erlernten und zu einer solchen Fertigkeit brachten, dass man bei Veranstaltungen sein Können demonstrierte.

Zum 25-jährigen Bestehen des Vereins waren im Jahre 1930 zwanzig auswärtige Radsportvereine in Egelsbach zu Gast. Alle 8 Gründer wurden besonders geehrt. Sie fielen wegen ihrer einheitlichen hellgrauen modischen Sportanzüge auf, was ein Lokalberichterstatter zu folgendem Kommentar veranlaßte: Einem akademischen Herrenclub ähnlich repräsentieren die Gründer den fortschrittlichen Geist des Egelsbacher Arbeiter-Radfahrvereins." Das sehr gut organisierte Fest litt leider sehr unter der schlechten Witterung.

Die Egelsbacher Radfahrer waren aufgrund ihres Repertoires an sportlichen Übungen, das vom Kunstreigen über Radball bis zum Kunstfahren reichte, sowie ihres soliden Könnens weit über die Grenzen ihrer heimatlichen Umgebung hinaus bekannt und auf allen Veranstaltungen gern gesehene Gäste. Es wurde aus dieser Zeit berichtet, dass ein Aktiver sich auch an Straßenrennen beteiligte. Auf der Blüte des Vereinslebens traf auch den Radfahrerverein im Jahre 1933 das Verbotes aller Arbeitervereine. Die 6 Saalmaschinen, die Kunstfahrmaschine, die 10 Musikinstrumente sowie das Vereinsbanner und die zahlreichen Trophäen, Pokale und Ehrenplaketten als Zeichen früherer sportlicher Größe wurden ein Opfer der damaligen nationalsozialistischen Maßnahmen.

Die Turngemeinde 1885

Als Gegenpol zum linksorientierten Arbeiterverein, dem Turnverein 1874, wurde am 9. Februar 1885 in Egelsbach ein freier Verein „zur sportlichen Betätigung im deutschen Sinne" gegründet.

Im Gründerjahr zählte der Verein 45 Mitglieder. Dass auch die Turngemeinde unmittelbar nach der Gründung einen Spielmannszug ins Leben rief, geht aus dem Beschluß vom 05.02.1887 hervor, einen Schrank anzuschaffen, um die zum Spiele gehörenden Instrumente aufbewahren zu können. Anfänglich sollen es vier bis acht Spielleute gewesen sein. Die Einweihung des Turnplatzes an der Ostendstraße im Jahre 1887 war das erste größere Fest, das erwähnt wurde. Der Turnplatz selbst wurde mittels eines Darlehens eines Vereinsmitgliedes in Höhe von 400 Mark finanziert.

Im Juli 1889 hatte der Verein seine erste Bewährungsprobe zu bestehen, als die Deutsche Turnerschaft, in der man Mitglied war, der TG die Ausrichtung des Gaufestes des Turngaues Melibokus übertrug, an dem sich auch der Turnverein 1874 beteiligte. Dass auch damals die Leichtathletik schon gepflegt wurde, geht aus der Meldeliste für das Feldbergfest am 17.08.1890 hervor, zu dem der Verein u.a. auch 4 sogenannte Volksturner entsandte.

Es war klar, dass im Verein ein Symbol nicht fehlen durfte, und so wurde am 12. Juli 1891 eine feierliche Fahnenweihe vorgenommen. Anscheinend hatten die Sportfreunde aus dem zweiten Egelsbacher Verein manche Veranstaltungen der Turngemeinde boykottiert, denn aus einigen Niederschriften geht die frostige Atmosphäre zwischen diesen beiden Vereinen hervor.

Im Jahre 1896 berichtet ein Protokoll über Initiativen zu einem Turnhallenbau, was man allerdings aus finanziellen Gründen und sicher auch wegen mangelnder Übereinstimmung der Egelsbacher Vereine im Jahre 1899 wieder fallen ließ. Sicherlich wegen der guten Organisation bei dem Gaufest zwei Jahre zuvor, war wiederum die TG Ausrichter eines Gaufestes im Sommer des Jahres 1901. Dieses Mal trafen sich die Turner des Main-Rhein-Gaues in Egelsbach.

Die erste größere Fahrt, die der Verein seit der Gründung einer Urlaubskasse im Jahre 1904 unternahm, war 1906 eine Fahrt an das Niederwalddenkmal, für die vaterländisch konservative Gesinnung der Vereinsführung bezeichnend.

Im Jahre 1908 kam es in einigen Sitzungen zu erregten Auseinandersetzungen, als einige Mitglieder anregten, aus der Deutschen Turnerschaft auszutreten und Mitglied der freien Turnerschaft zu werden. Sicher waren auch hier politische Hintergründe vorhanden. Die TG führte damals eine Satzungsänderung durch, in der zum Ausdruck kam, daß alle Mitglieder, die ein ähnliches Ansinnen an die Vereinsführung stellten, als Aufwiegler betrachtet und aus dem Verein ausgeschlossen werden. Dieser Antrag wurde auch gerichtlich eingetragen. Den Abmeldungen wegen dieser Kontroverse stand allerdings eine große Anzahl von Neuanmeldungen gegenüber. Diese Passage sollte eigentlich nur dokumentieren, wie stark damals die politische Orientierung in den Vereinen Platz griff.

Beim Deutschen Turnfest im Jahre 1908 in Frankfurt/Main marschieren unter den 5000 Turnern auch 25 Turner aus der Turngemeinde hinter ihrer Fahne in das Stadion ein. Aus den Niederschriften des Jahres 1910 geht hervor, dass man das 25-jährige Jubiläum der Turngemeinde 1885 festlich und im gemäßen Rahmen beging. Das dreitägige Fest wurde am Samstagabend mit einem Fackelreigen eröffnet.

Auch in der Turngemeinde ruhte während der Zeit des ersten Weltkrieges jegliche Aktivität. Sofort nach dem Kriege wurde der Wiederaufbau zügig vorangetrieben. Man schenkte der Breitenarbeit eine erhöhte Aufmerksamkeit. Ein erster Erfolg war, dass 1919 eine Turnerinnen-Abteilung ins Leben gerufen wurde und 1923 sogar ein Gaufrauen-Turnfest in Egelsbach stattfand. 1923 wurde eine Handballabteilung gegründet.

Anläßlich des 40-jährigen Jubiläums fand 1925 ein großes Fest statt, das unter dem Motto „Turnen ist Arbeit im Gewand der jugendlichen Freude" stand. Im Jahre 1927 wurde dann ein Platz am Mühlweg errichtet, der ein Jahr später unter dem Namen Jahn-Platz eingeweiht wurde. Die Jahneiche steht heute noch an der B3 Rolladen-Schneider. In den 30iger Jahren beteiligte sich der Verein regelmäßig mit gutem Erfolg an verschiedenen Wettkämpfen. Auch wurde von den Handballern Tischtennis gespielt.

Mit der Machtübernahme durch Hitler wurden alle sporttreibenden Vereine, mit Ausnahme der Arbeitervereine, die verboten wurden, von dem Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) übernommen. Durch das Verbot des Turnvereins 1874 bekam im gleichen Jahr die TG einen nicht unwillkommenen Zuwachs an Aktiven. In der Hauptsache waren es Turner, Leichtathleten und Handballer. Für die letzteren bedeutete dies einen enormen Aufschwung, der dann auch prompt zur Meisterschaft und zum Aufstieg in die Meisterklasse führte. 1939 schaffte man sogar den Aufstieg in die oberste deutschen Spielklasse, in die Gau-Liga Südwest. Mit Ausbruch des Krieges im September 1939 wurde auch die Handballmannschaft auseinandergerissen.

Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges führte der Verein noch eine größere Veranstaltung anläßlich des 20jährigen Bestehens der Turnerinnen-Abteilung bzw. 10-jährigen Bestehens der Frauenabteilung durch.

Nach dem Kriege wurde durch die Besatzungsmacht zunächst jegliche Vereinstätigkeit verboten und das Vermögen des Vereins beschlagnahmt. Mit der Gründung der Sportgemeinschaft Egelsbach wurde auch die Turngemeinde 1865 nach mehr als 60-jähriger ununterbrochener Vereinstätigkeit in die neu gegründete Sportgemeinschaft integriert.

Die Traditionsvereine

Turnverein 1874

Gründer des Arbeiterturnvereins 1924Der Turnverein 1874 war der erste Egelsbacher Sportverein. Er wurde am 15. August 1874 gegründet und gilt als erster Sportverein in Egelsbach und ist sozusagen der Urvater unserer heutigen Sportgemeinschaft, der SG Egelsbach. Das Gründungsprotokoll liegt leider nicht mehr vor. Die erste noch überlieferte Niederschrift stammt vom 11.04.1875 und soll wegen der für uns heute originell klingenden Sprache wiedergegeben werden: "Die Geräthe sind zu verackdiren an den wenigstnehmenden oder in Tagelohn zu übergeben. Um die nötigen Kosten zu bestreiten, muß ein jedes Mitglied so viel Monate voraus bezahlen als erforderlich sind bis zum 1. September 1875."

Auch aus dem Protokoll vom 01.06.1875 geht die damalige prekäre Finanzsituation des neugegründeten Vereins hervor. Der Mitgliedsbeitrag betrug 20 Pfennig und für die "Zöglinge" 10 Pfennig. Der Kassenbestand wurde 1879 mit 75,57 Mark angegeben. Es sind aus der damaligen Zeit genügend Fälle bekannt, dass man Mitglieder wegen Nichtbezahlens des Beitrags aus dem Verein "entfernen" musste. Wie straff die damalige Ordnung war, besagt ein Protokoll aus dem Jahre 1881, dass ein Mitglied, wahrscheinlich ein aktiver Turner, wegen dreimaligen Fehlens hintereinander aus dem Verein auszustoßen sei.

Turnverein-Musikkapelle 18901876 wurde nach mündlicher Überlieferung ein Spielmannszug gegründet. Die Turnplatzeinweihung fand am 20. Juli 1879 unter Beteiligung der Gesangvereine, der Spielleute des Vereins, Kriegervereine und Turnvereine der näheren Umgebung statt. Der Platz lag an der Rheinstraße gegenüber dem damaligen Vereinslokal - heute das Anwesen Knöß. Seit dieser Zeit wird alljährlich von einem An- bzw. Abturnen - im Winter war keine Übungsmöglichkeit vorhanden - sowie auch von verschiedenen Preisturnen mit abendlichem Ball berichtet.

Man sieht, die damalige Aktivität auf sportlichem und gesellschaftlichem Sektor war schon relativ groß. Dass ein Symbol im Verein natürlich nicht fehlen durfte war klar, und so wurde in einer Sitzung am 29.01.1882 beschlossen, eine Vereinsfahne anzuschaffen, die dann im festlichen Rahmen am 24.07.1883 eingeweiht wurde. Jedes Mitglied hatte zum Erwerb der Fahne einen Sonderbeitrag von einer Mark zu entrichten, ansonsten er unehrenhaft den Verein verlassen müßte. Die Langener Feuerwehrkapelle machte die Festmusik und erhielt für ihre 12 Mann 96 Mark. 1885 fand in Egelsbach ein Wettturnen statt, das von dem Gauvorsitzenden und Egelsbacher Kaspar Welz geleitet wurde.

Zur damaligen Zeit schon gehörten die Vereine "landschaftlichen" Verbänden an. So war der Turnverein von 1861 bis 1888 im Bergsträßer Bund, seit 1889 im Turnerbund Jahn, und trat 1905 dem Arbeiter-Turnerbund bei. Zweifellos bedeutete dies eine politische Orientierung im Vereinsleben. Am 2. August 1891 übertrug der Turngau Main-Rodgau dem TV die Ausrichtung eines Turnfestes, an dem sich auch die Turngemeinde 1885 beteiligte. Es wird von einem tollen Fest berichtet. Der Ort wurde mit Fichtenreisern und Birkenbäumchen geschmückt. Die Spielleute erhielten Achselstücke, die Festdamen als Schmuck silberne Eicheln mit grünen Laubblättern. In den Sälen des Vereinswirtes Johannes Becker und G. Feuerer fanden die Festbälle statt.

In den Jahren 1893-1895 gab es zwischen den in Egelsbach ansässigen Turnvereinen, dem Turnverein 1874 und der Turngemeinde 1885, Annäherungsbestrebungen, die allerdings wahrscheinlich wegen politischer Differenzen wieder aufgegeben wurden. Im Jahre 1895 bauten Vereinsmitglieder zum Unterstellen der Sportgeräte eine Hütte, wofür jedes Mitglied einen zinslosen Kredit von 3 Mark in die Vereinskasse zu zahlen hatte. Beim 25-jährigen Jubiläum im August 1899 weiß man zu berichten, dass der neue Vereinswirt Stiefel für jeden Hektoliter Bier, den er am Festplatz zapfte, zwei Mark in die Vereinskasse zu zahlen hatte.

Die Turnerinnen und Turner des TV um 1920Als im Jahre 1905 der Turnverein dem Arbeiter-Turnerbund beitrat, mussten die Vereinsstatuten geändert werden. Das Protokoll wurde von 78 Aktiven und 28 Zöglingen unterschrieben. Aus einer Niederschrift des Jahres 1906 ist zu ersehen, dass man alljährlich Theatervorführungen organisiert hatte und dies auch weiterhin tun würde. Auch eine Kreppelzeitung soll es bereits gegeben haben. Große Bedeutung scheint damals die Christbaumverlosung, die alljährlich durchgeführt wurde, gehabt zu haben, denn sie wird oft erwähnt. 1907 war es der Fußballclub 03 Egelsbach, der nachweisbar die erste Leichtathletik - Veranstaltung in Egelsbach durchführte. Im Jahre 1911 wurde eine Fußballabteilung gegründet, die auf dem Pachtgelände im Linden die ersten Kickversuche unternahm. Bereits auf dem Platz in den Büchen spielend - etwa bei den heutigen Bauernhöfen Best und Haas - nahm der Turnverein 1920 erstmals an Rundenspielen teil.

1915 kam es zur Gründung einer Handballabteilung. Zu den ersten Egelsbacher Ballwerfern zählten Philipp Thomin, Jakob Knöß, Karl Schlapp, Johannes Seng, Georg Sulzmann, Hermann Sulzmann, Johannes Löbig, Martin Rüster, Otto Brahm, Fritz Werkmann, Wilhelm Hofmann, Heinrich Knöß, Philipp Werkmann, Christian Wurm, Heinrich Anthes, Heinrich Becker und Otto Kühn. Spielpremiere war am 28. Juni 1923 in Langen beim Turnverein Vorwärts. Sie endete mit einer deftigen 0:9-Niederlage für Egelsbach. Bis zum ersten Sieg verging noch eine Weile. Aber so genau weiß das heute niemand mehr. Den Egelsbacher Handballern stand in jener Zeit noch nicht mal ein Sportplatz zur Verfügung. Jedes Spiel musste auswärts ausgetragen werden. Mangels Fahrrädern und anderer Verkehrsmittel wurde jeder Spieltag auch zu einem Wandertag. "Auf den Büchen", die heute den Flugplatz beheimaten, pachteten sie die "Dunsenbachwiesen" und richteten einen für damalige Verhältnisse recht brauchbaren Sportplatz her. Der ordnungsgemäße Spielbetrieb konnte beginnen.

Über das Fest zum 40-jährigen Bestehen im Sommer 1914 wird berichtet, dass auf dem Festplatz an der Wolfsgartenstraße (gegenüber dem Forsthaus) - weit außerhalb des Ortes - eine tolle Feststimmung herrschte, als das Fest durch ein starkes Unwetter jäh unterbrochen wurde. Während der Festtage wurde auch ein Bezirkssportfest veranstaltet.

Während des ersten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben und danach kam der Wiederaufbau nur zögernd voran. Die Fahrten in die Umgebung waren wegen der französischen Besatzungszone unmöglich. Da einige Sportarten verboten waren, nahm der Turnverein 1921 den Namen "Arbeiter Turn- und Sportverein" an. Es erfolgte ein Zusammenschluss mit den anderen Arbeiter-Sportvereinen im "Arbeiter-Sportkartell" Egelsbach. Die bürgerlichen Vereine schlossen sich in der "Arbeitsgemeinschaft für Gesang und Körperpflege zusammen. Bürgerliche und proletarische Vereine waren klassenbewusst voneinander abgegrenzt.

Aus einem Leserbrief in der hiesigen Zeitung zur Gründung des Sportkartells: "Auch beim Sport soll man als Arbeiter daran denken, dass wir die Klasse der Ausgebeuteten und Unterdrückten sind, und deshalb ist es eines Arbeiters unwürdig, Sport mit seinen Ausbeutern zusammen in einem Verein zu treiben."

1922 nahm eine Abordnung am Arbeiter-Bundestreffen in Leipzig teil. Dass zu dieser Zeit die Leichtathleten (Volksturner) schon rührig gewesen sind, geht aus der Meldeliste für die Teilnahme an der Arbeiterolympiade 1925 in Frankfurt/ Main hervor. Die Fußballer spielten in der Bezirksklasse des "Arbeiter Turn- und Sportbundes". Es fehlte an einem geeigneten Sportplatz in Ortsnähe und man fand schließlich ein Gelände im "Büchen", etwa dort, wo heute die Aussiedlerhöfe Haas und Best liegen. An einen geregelten Trainingsbetrieb konnte man bei dieser Entfernung kaum denken. Die einzigen regelmäßigen Zusammenkünfte, außer den Spielen, waren die Spielersitzungen im Vereinslokal Stiefel in der Rheinstraße, dem heutigen Anwesen Nr. 36. Höhepunkte waren in diesen Jahren Begegnungen mit einem Stuttgarter und einem Chemnitzer Verein.

Die finanzielle Misere jener Zeit ging an den Fußball-Idealisten des Turnvereins nicht vorüber, musste doch jeder Spieler seine komplette Ausrüstung selbst bezahlen und zudem noch für das Fahrgeld bei den Auswärtsspielen aufkommen. So blieb es nicht aus, dass der eine oder andere die Fußballstiefel an den berühmten Nagel hängte. Deshalb war es besonders wichtig, dass es dem Vorstand 1926 gelang, den Turnplatz zu verkaufen und unter großen finanziellen Opfern ein Gelände in der Nähe des Eigenheims zu kaufen, aus dem in Eigenhilfe ein Sportplatz gemacht wurde. Ein Jahr später wurde er festlich seiner Bestimmung übergeben. Damit verbunden war ein ungeheurer Aufschwung. Eine erste, zweite und dritte Mannschaft nahm den Spielbetrieb auf, und auch die Jugendarbeit wurde forciert.

Der Erfolg blieb nicht aus. 1931, nachdem man in die höchste Spielklasse aufgestiegen war, gelang erneut die Meisterschaft. Die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft des "Arbeiter-Turnund Sportbundes" verbauten damals lediglich die "Freien Turner" aus Frankfurt-Bornheim. Große Spiele gab es gegen eine Schweinfurter, eine Düsseldorfer und eine Münchner Elf, und auch mit ausländischen Mannschaften gab es Treffen. Wien, Brüssel und die Tschechen aus Teplitz-Weiskirchlitz waren prominente Gegner.

Als dann Anfang der 30iger Jahre die Arbeitslosigkeit zunahm, gingen dann auch die Beitragszahlungen zurück und der Verein befand sich in großen Schwierigkeiten. 1933 kam der Erlaß der Reichsregierung, alle Arbeiter-Vereine zu verbieten und das Vermögen zu konfiszieren. Hiervon waren in Egelsbach der "Arbeiter Turn- und Sportverein", der "Arbeiter Radfahrverein 'Solidarität'", "Arbeiter-Samariter-Bund", "Volkschor", "Touristenverein Die Naturfreunde" betroffen. Kurz vor seinem 60-jährigen Bestehen wurde ein jähes Ende bereitet. Die Vereinsfahne kam in die Obhut der Turngemeinde 1885, zu der auch der größte Teil des aktiven Stammes der Turner und Handballer übertrat. Die Fußballer schlossen sich in der Mehrzahl dem Egelsbacher Fußballclub FC 03 an. Die Instrumente des Spielmannszuges gingen nach Langen, wurden aber sehr bald wieder zurückgeholt und der Freiwilligen Feuerwehr zugeteilt.

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